Die Geschichte des Amarone: Wie aus getrockneten Trauben ein Mythos wurde
Er ist der mächtigste Wein Venetiens, geboren aus Geduld und einem glücklichen Zufall: Der Amarone della Valpolicella verdankt seine Existenz einer jahrhundertealten Technik – und einer vergessenen Flasche.
Das Geheimnis des Appassimento
Die Geschichte des Amarone beginnt mit dem Trocknen. Nach der Lese werden die Trauben – vor allem Corvina, Rondinella und Molinara – über Monate auf Strohmatten oder in luftigen Trockenräumen gelagert. In dieser Appassimento genannten Phase verlieren die Beeren bis zu 40 Prozent ihres Wassers, während sich Zucker, Aromen und Tannine konzentrieren. Was übrig bleibt, ist die geballte Essenz der Traube – die Grundlage für einen der dichtesten Weine der Welt.
Ein Mythos aus Versehen
Der Legende nach entstand der erste Amarone durch einen Fehler. Eigentlich wollte man den süssen Recioto keltern, doch eine vergessene Flasche im Keller gärte vollständig durch – aller Zucker wurde in Alkohol verwandelt. Als der Kellermeister sie verkostete, soll er ausgerufen haben: Questo è amaro! – Das ist ja trocken! So erhielt der Wein seinen Namen: Amarone, der grosse Bittere. Aus dem vermeintlichen Missgeschick wurde im 20. Jahrhundert einer der gefeiertsten Weine Italiens.
Drei Gesichter eines grossen Weins
- Zenato Amarone della Valpolicella Classico DOCG – der Inbegriff des Stils: mächtig und samtig, mit Dörrkirsche, Schokolade und Gewürzen. Konzentration und Eleganz in vollendeter Balance.
- Amarone Sergio Zenato Riserva DOCG – die Königsklasse: eine Riserva von grosser Tiefe und langem Reifepotenzial, mit Noten von Pflaume, Leder und edlem Holz. Ein Wein für die Ewigkeit.
- Zenato Ripassa Valpolicella Superiore DOC – der kleine Bruder des Amarone: ein Valpolicella, der auf den Trester des Amarone aufgegossen wird und so Kraft und Schmelz gewinnt. Zugänglich und vielschichtig zugleich.
Wie man den Amarone geniesst
Der Amarone ist ein Wein für grosse Momente. Dank seiner Fülle und Süsse braucht er kräftige Begleiter: geschmortes Rind, Wild, Braten und gereifte Hartkäse wie Parmigiano oder Pecorino. In Venetien serviert man ihn traditionell zum Risotto all'Amarone. Doch oft genügt er sich selbst – als meditativer Wein nach dem Essen, zu einem Stück dunkler Schokolade oder einfach zum langen Gespräch.
Geduld im Glas
Servieren Sie den Amarone bei 17 bis 18 Grad und öffnen Sie ihn rechtzeitig – ein bis zwei Stunden im Dekanter tun ihm gut. Grosse Jahrgänge reifen über Jahrzehnte und gewinnen dabei an Komplexität. Wer einen Amarone öffnet, schenkt nicht nur Wein ein, sondern ein Stück venezianische Geschichte – konzentriert, geduldig gereift und voller Charakter.
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